Von guten Vorsätzen

Es ist jedes Jahr die gleiche Leier! Kaum hat das neue Jahr begonnen, fragen einen die Leute nach guten Vorsätzen. Kennt ihr das auch?

Frohes neues Jahr

Mit diesen drei Worten beginnen die meisten Menschen in der Regel das neue Jahr. Doch irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass viele Menschen während dieses Ausspruchs nicht nur ihrem Gegenüber viel Glück und Gesundheit im neuen Jahr wünschen, sondern sich zugleich selbst danach sehnen, dass das neue Jahr besser werden möge als das vergangene. Vielleicht irre ich mich ja auch, aber einer Statistik, die man nicht selbst gefälscht hat, kann man ja wohl durchaus Glauben schenken. Wirft man beispielsweise einen Blick auf die letzten beiden Studien der DAK-Gesundheit zum Thema “Gute Vorsätze” aus den Jahren 2017 und 2018 für das jeweils darauffolgende Jahr, fällt vor allem eins auf: Es gibt keinen Unterschied! Die Hitlisten der guten Vorsätze beider Jahre ähneln bis auf geringfügige prozentuale Abweichungen einander komplett:

“Auf Platz eins der guten Vorsätze rangiert erneut der Wunsch nach weniger Stress: 62 Prozent der Deutschen nehmen sich für das neue Jahr vor, Stress abzubauen oder zu vermeiden.”

Für das Jahr 2018 nahmen sich das immerhin schon 59 Prozent der Deutschen vor, womit der prozentuale Wert zwar unwesentlich geringer, das Ziel aber dennoch das gleiche war. Auf Platz zwei der guten Vorsätze folgt dann der fromme Wunsch, mehr Zeit mit der Familie beziehungsweise Freunden zu verbringen, dicht gefolgt vom dritten Platz, der den guten Vorsatz sich mehr zu bewegen beinhaltet. Während das Vorhaben sich gesünder zu ernähren auf Platz fünf rangiert, aber eigentlich gut zum dritten Platz passt, wird die Hitliste mit Platz vier ganz egoistisch unterbrochen: circa 50 Prozent der Deutschen möchten mehr Zeit für sich selbst haben! So weit, so gut, doch was bedeutet das jetzt für die konkrete Umsetzung der guten Vorsätze? Wäre es gemein, an dieser Stelle schon vom großen Scheitern zu schreiben? Warum ist es eigentlich so schwer, gute Vorsätze auch wirklich in die Tat umzusetzen?

Gute Vorsätze sollten wenigstens länger halten als ein Glas Sekt, oder zwei, oder drei…

Schwein gehabt

Warum wir oftmals nicht in der Lage sind, unseren guten Vorsätzen auch wirklich tatkräftig zu folgen, liegt einzig und allein an einem Problem – und das Problem hat einen Namen: innerer Schweinhund! Wer ist überhaupt dieser innere Schweinehund, der uns ständig daran hindert, von der Couch aufzustehen und die schlabberige Jogginghose gegen trendige Sportklamotten zu tauschen? Um allerdings in schicken Sportklamotten überhaupt irgendwann einmal auch wirklich sportlich auszusehen, ist Bewegung das Zauberwort – und nein, damit ist nicht der Turnschuh in der Waschmaschine gemeint! Doch schon bei dem Gedanken daran, eine Runde um den Block zu laufen, womöglich, nein, sogar ziemlich sicher, aus der Puste zu geraten, mit einem hochroten Kopf sowie in der Hoffnung, dass uns die Nachbarn dabei nicht auch noch zugesehen haben, und völlig verschwitzt in die Wohnung zurückzukehren, klingt tatsächlich nicht so verlockend.

Und da hat er es wieder einmal geschafft, der innere Schweinehund, dass wir uns gar nicht erst von der Couch erheben und aus dem bequemen Jogginganzug pellen. Warum auch? So ist es doch sowieso viel gemütlicher! Der innere Schweinehund als Metapher einer ausgeprägten Willensschwäche hindert uns also erfolgreich daran, unangenehme Tätigkeiten auszuüben. Wie auch immer er das macht, er ist verdammt gut darin – ein richtig gerissener Hund, dieser innere Schweinehund! Böse Zungen behaupten ja oftmals, dass man sich nur ein bisschen anstrengen muss, um sich zu überwinden, und dann würde schon alles klappen, was wir uns vornehmen! Ich persönlich halte das ja eher für ein Gerücht, oder was meint ihr? Wollt ihr etwa eine Runde Joggen gehen? Ach, lasst uns drinnen bleiben, draußen regnet es heute sowieso – Schwein gehabt!

Die entscheidende Frage im neuen Jahr lautet leider immer noch nicht: Baileys oder Eierlikör!

Smarte Ziele

Natürlich gibt es das Ganze jetzt auch noch in seriös für alle diejenigen, deren Geist willig und Fleisch nicht zu schwach ist, im neuen Jahr vollkommen motiviert von der Couch zu springen. Die Zauberformel heißt smart, das ist die knackige Abkürzung für spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert! Diese fantastische Wortkreation ist vor allem eine Strategie des Projektmanagements und dient der klaren Definition von Zielen oder Zielvereinbarungen. Hä, was soll das schon wieder heißen? Ja, so in etwa habe ich auch geguckt, als ich zum ersten Mal davon gehört habe! Aber je länger man darüber nachdenkt, desto klüger kommt einem das wirklich vor.

Übertragen wir diese Strategie zum Beispiel auf unser Leben, so bedeutet das, dass die Ziele, die wir uns stecken, stets genau definiert sein müssen. Sie müssen zudem messbar sein, das bedeutet, sie sollten sich ähnlich wie eine Klausurnote verhalten. Weiter müssen sie erstrebenswert sein, denn sonst wären sie ja schließlich kein Ziel! Zu guter Letzt müssen Ziele realistisch sein, aber das versteht sich ja eigentlich von selbst (womit also auch der gewünschte Lottogewinn ein für alle Mal nicht darunter fällt!). Und sie sollten terminiert sein, denn ein Ziel erst in 100 Jahren erreichen zu wollen, ist nach dieser Formel nicht nur unzulässig, weil unrealistisch, sondern gelinde gesagt auch totaler Quatsch!

Für die Couchpotato wird es jetzt langsam, aber sicher kompliziert: Der gute Vorsatz, im neuen Jahr also endlich (mehr) Sport zu treiben respektive sich mehr zu bewegen, ist ja noch klar definiert. Wohingegen es mit der Messbarkeit schon mehr Probleme gibt, denn wie misst man so ein Ziel am besten? Richtig, meistens mit der Waage! Der Wunsch, durch Bewegung ein paar Kilo abzunehmen, die man seit letztes Jahr Ostern immer noch draufhat, ist hier implizit. Über die Attraktivität des Ziel lässt sich eher wenig streiten, denn wer will nicht in engen Sportklamotten zugleich umwerfend aussehen? Und jetzt geht es ans Eingemachte: Wie realistisch ist es, sich über mehrere Wochen und Monate hinweg regelmäßig von der Couch zu erheben, um bei Wind und Wetter draußen Sport zu treiben? Na, die Antwort könnt ihr euch sicher selbst geben! Ich für meinen Teil wollte damit so ungefähr in 100 Jahren anfangen – was für eine smarte Idee!

Nehmt einen Stift und einen Zettel und… ach, zerreißt den Zettel!


Literaturnachweise:

DAK-Gesundheit (Hrsg.): Gute Vorsätze bei jungen Leuten. Pressemitteilung vom 17.12.2018.

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