Von durstigen Gästen

Endlich ist der Sommer da und erwischt uns zur Zeit auf ganz schön trockenem Fuß. Wo wir gehen und stehen, spüren wir die Trockenheit der Erde! Wer bekommt bei dieser Hitze keinen Durst?

Alle haben Durst

Hunger und Durst sind die ersten Grundbedürfnisse eines jeden Lebewesens dieser Erde. Ohne Wasser kein Leben, könnte man sagen oder wie Johann Wolfgang von Goethe seinerzeit schon eleganter formulierte:

“Alles ist aus dem Wasser entsprungen, alles wird durch Wasser erhalten.”

So benötigt nicht nur der menschliche, sondern auch der tierische Körper in unterschiedlichen Mengen und Abständen dieses unabdingbare Elixier des Lebens. Besonders heiße Sommertage halten uns genau das vor Augen und nicht nur wir oder unsere Haustiere lechzen dann nach einer Erfrischung, sondern auch Wildtiere, unter ihnen ebenso die oft vergessenen, aber für unser Ökosystem unentbehrlichen Kleinstlebewesen. Neben den Insekten, deren biologische Artenvielfalt, zur Zeit immens bedroht ist, sind es auch heimische Vogelarten und gartennahe Kleinsäugetiere, die im Sommer unsere Hilfe benötigen.

Für Königinnen: Die Bienentränke

Bienen, Hummeln und natürlich auch andere Insekten ernähren sich nicht nur von Blütennektar, Honigtau oder Pollen, sondern benötigen ebenfalls reichlich Wasser zum Überleben. Die Flüssigkeit benötigen sie hauptsächlich, um ihre nachfolgende Brut aufzuziehen. Dafür entwickeln die Bienen je nach Nestgröße einen Wasserbedarf von durchschnittlich circa 200 Gramm pro Tag/pro Volk. Normalerweise suchen sie dazu Flüsse, Seen oder Bäche auf, im städtischen Bereich aber auch Gartenteiche oder andere Biotope. Da Bienen allerdings nicht schwimmen können, besteht oftmals die Gefahr, dass sie in größeren Gewässern keinen Halt mehr finden und jämmerlich zu ertrinken drohen. Deswegen ist es sehr wichtig, beim Bau einer Wasserstelle für Bienen und andere Insekten darauf zu achten, dass es genügend Ein- und Ausstieghilfen oder etwas ähnliches gibt, worauf die kleinen beflügelten Wesen landen und so in Ruhe trinken können.

Eine Möglichkeit ist es, eine kleine, am besten flache Schale aufzustellen und diese mit Steinen zu befüllen. Das können Natursteine wie Kieselsteine, aber auch Dekorsteine sein, zum Beispiel aus Glas oder Porzellan. Diese werden dann entsprechend in einer passenden Schale angeordnet. Anschließend wird die Schale so mit Wasser aufgefüllt, dass die Zwischenräume der Steine geschlossen, die Steine selbst aber nicht komplett mit Wasser bedeckt sind. So können die Bienen und Hummeln sowie auch alle anderen Insekten bequem auf den Steinen landen und ihren Durst stillen. Eine weitere Variante ist es, die Schale komplett mit Glasmurmeln zu bestücken und ebenfalls entsprechend mit Wasser zu befüllen. Natürlich kann man auch noch viele andere tolle Materialien (zum Beispiel abgewaschene Korken, unbehandelte Holzreste, kleine Äste und Zweige, diverse Gräser und Moose, dekorative Figuren, geeignete Wasserpflanzen und so weiter) verwenden, um ganz einfach und schnell eine dekorative Bienentränke für den heimischen Garten oder den Balkon zu basteln. Da sind der beflügelten Fantasie in Form und Farbe wirklich keine Grenzen gesetzt!

Die Bienentränke kann anschließend auf den Boden, leicht erhöht auf einen Stein oder, wenn vorhanden, einen Baumstumpf gesetzt werden. Mit ein paar bienen- und insektenfreundlichen Pflanzen in der Nähe, wird die Bienentränke schnell zur Augenweide. Die Schale sollte selbstverständlich regelmäßig gesäubert und das abgestandene Wasser natürlich ebenfalls erneuert werden. Damit das frische Wasser nicht allzu schnell verdunstet, ist es zusätzlich eine gute Idee, für ein wenig Schatten neben beziehungsweise über der Wasserstelle zu sorgen. So lassen die possierlichen Tiere bestimmt nicht lange auf sich warten und schon bald könnt ihr sicher ein buntes Treiben an der Wasserstelle beobachten!

Übrigens: Die Wasserstelle wird vermutlich nicht nur geladene Gäste wie Bienen oder Hummeln sowie andere sympathische Insekten, sondern auch Wespen anlocken. Doch das ist bitte kein Grund zur Panik! Stellt die Schale einfach weit genug von eurem Sitzplatz auf dem Balkon oder der Terrasse weg, so können sich hoffentlich alle ungestört fühlen. Wespen brauchen nämlich auch Wasser, vor allem zum Bau ihrer Nester. So formen Wespen ihren Bau aus zerkautem Holz und Pflanzenteilen, der mithilfe ihres Speichels zusammengehalten wird. Des Weiteren kühlen Wespen mit verdunstenden Wassertropfen ihre Behausung im Sommer auf eine konstante Temperatur von 30 Grad Celsius herunter.

Für Zaungäste: Die Vogeltränke

Die meisten Wildvögel decken ihren Flüssigkeitsbedarf nicht nur über saftige Beeren und Früchte, sondern benötigen das ganze Jahr über Wasser zum Trinken und Baden. Besonders an heißen Tagen leiden Vögel unter Wassermangel und suchen deshalb geeignete Wasserstellen auf. Dabei bevorzugen Vögel hauptsächlich Badestellen, deren Rand für den Ein-und Ausstieg ins Wasser flach genug ist, sodass sie darin noch gut stehen können. Deswegen sind vor allem nach einem Regenguss Pfützen so beliebt, weil sich da auch kleinere Vogelarten zum Baden hineintrauen. Aber auch Gartenteiche und andere Biotope sind unter den richtigen Umständen ein beliebtes Badeparadies für die gern gesehenen Zaungäste. Wenn keine natürliche Wasserstelle in der Nähe vorhanden oder aufgrund der starken Hitze sogar komplett ausgetrocknet ist, wird es besonders wichtig, für die ganze einheimische Vogelschar eine Schale frisches Wasser bereitzustellen.

Als Vogelbad oder Vogeltränke eignen sich daher ebenfalls flache Schalen mit einem ungefähren Durchmesser von 30cm sehr gut. Am besten ist es, wenn sie eine Wassertiefe von maximal 5 Zentimeter aufweisen, so kann die Schale auch von kleineren Vogelarten unbesorgt genutzt werden. Aber auch größere Gefäße sind kein Problem, wenn sie entsprechend gestaltet werden. Dazu lässt sich auch hier beispielsweise eine Randseite mit Steinen auffüllen, die eine Art Treppe ins Wasser bilden. Bei den Steinen sollte jedoch darauf geachtet werden, dass sie keine spitzen oder scharfen Kanten aufweisen, an denen sich die Vögel beim Baden verletzen könnten. Deswegen ist es hier im Gegensatz zur Bienentränke nicht sonderlich sinnvoll, die Wasserfläche mit vielen unnötigen Dekorationselementen oder für das Gefieder der Vögel gefährlichen Gegenständen zu verbauen!

Die Vogeltränke kann natürlich direkt auf den Boden oder ins Gras gesetzt werden, wobei das für Nachbars Katze gegebenenfalls ein gefundenes Fressen ist. Von daher ist es ratsam, die Schale leicht erhöht aufzustellen. Sie sollte dabei aber definitiv auf einem stabilen und standsicheren Untergrund stehen, damit sie beim Baden nicht wackelt oder herunterkippt. Außerdem ist es für Vögel wichtig, dass sie stets den Überblick behalten, um so drohende Gefahren wie Annäherungen von Katzen oder Raubvögeln zügig zu bemerken. Für eine geeignete Platzwahl zum Aufstellen der Vogeltränke ist also entscheidend, dass sich keine dichten Büsche und Hecken direkt neben der Vogeltränke befinden, in denen Stubentiger mit Freigang schon auf der Lauer liegen. Damit das liebe Federvieh jedoch eine Versteckmöglichkeit vor seinen Fressfeinden hat, sollte ein sicherer Zufluchtsort in Form von Bäumen und Sträuchern dennoch schnell und gut zu erreichen sein.

Übrigens: Vogeltränken müssen mit besonderer Sorgfalt täglich gereinigt werden, denn das wenige Wasser in den flachen Schalen erwärmt sich bei starken Hitze relativ schnell und bietet durch schnelle Verunreinigung Bakterien und Parasiten einen guten Nährboden. Wer ein echter Vogelfreund ist, der wechselt vorsorglich alle paar Tage und an besonders heißen Tagen besser jeden Tag das Wasser aus und bürstet die Vogeltränke dabei einmal mit einer eigens nur zu diesem Zweck verwendeten Spülbürste gut durch. Auf Reinigungsmittel wie Spülmittel oder Seifen sowie Desinfektionsmittel sollte tunlichst verzichtet werden, denn die an der Schale haftenden oder im Wasser gelösten chemischen Reste können den Vögeln schaden, wenn sie es beim Baden oder Trinken aufnehmen!

Für stachelige Gesellen: Die Igeltränke

Im Gegensatz zu seinen gefiederten Freunden geht der putzige Kerl Im Stachelkleid nicht so gerne baden. Trotzdem sind auch kleine Säugetiere wie Mäuse, Eichhörnchen und ganz besonders Igel auf gut erreichbare Wasserstellen angewiesen. Besonders in der Zeit nach dem Winterschlaf sind Igel als erstes auf der Suche nach dem kühlen Nass, um ihren Durst zu stillen. Je nach Vegetation ist das aber gar nicht so leicht. Igel sind hauptsächlich in heimischen Gärten, auf Friedhöfen oder in lichten Wäldern zu finden. Sofern Igel im städtischen Bereich zu finden sind, suchen sie deshalb ebenfalls die Nähe zu Gartenteichen oder andern Biotopen, die ihnen als Wasserquelle zur Verfügung stehen. In vielen Gärten stellen jedoch Regentonnen, Wasserwannen oder auch Gartenteiche geradezu eine tödliche Falle für diese Lebewesen dar, da sie bei ihrem Versuch, daraus zu trinken, nicht selten in die Gefäße hineinfallen und es aus eigener Kraft nicht mehr rechtzeitig herausschaffen!

Damit diese meistens sehr großen und tiefen Behälter also nicht zur unerbittlichen Todesfalle werden und die Tiere darin nicht grausam ertrinken, sollten sie unbedingt mit einem geschlossenen Deckel oder zumindest mit einem feinmaschigen Gitter abgedeckt werden. Wichtig für diese kleinen Gartenbesucher sind daher nicht nur gut zu erreichende Wasserstellen, sondern welche mit einem seichten Uferrand und mit einer zusätzlichen Ausstieghilfe für den Notfall. So kann dem stacheligen Gesellen beim Trinken nicht mehr viel passieren, was ihn gefährdet. Die Ausstiegshilfe kann zum Beispiel ein einfaches flaches Holzbrett sein, auf dem der Igel dann auch genügend Platz hat, sich zu bewegen und gefahrlos zu laufen, das heißt: ohne seine Füße zu verletzen!

Ansonsten lässt sich auch hier problemlos auf eine flache Wasserschale zurückgreifen. Diese sollte am besten so aufgestellt werden, dass andere Tiere wie zum Beispiel Vögel sie nicht oder nur schwer erreichen können. Das beugt Verunreinigungen durch badende Vögel vor und verhindert so Krankheitsübertragungen. Am besten positioniert ist die Igeltränke etwas unterhalb von Büschen oder einer Hecke, wo der Igel in der Regel sowieso wohnt oder sich hauptsächlich aufhält. So werden dem Igel oder auch anderen kleinen Nagetieren unnötig weite Strecken durch den Garten erspart.

Übrigens: Es ist immer noch ein weit verbreiteter Irrglaube, dass man durstigen Lebewesen Milch zu trinken geben soll. Auch wenn es einigen Arten wie zum Beispiel Katzen nicht unbedingt schadet, so endet ein Schälchen Milch für Igel leider meistens tödlich. Igel leiden nämlich unter einer Laktoseintoleranz und können den in der Milch enthaltenen Milchzucker nicht verarbeiten. In der Folge davon bekommen sie schwere Darmentzündungen, an denen sie dann meistens qualvoll verenden. Und wenn wir nun zurück an Goethe denken, schließt sich an dieser Stelle auch wieder der Kreis, womit Wasser das kostbarste und lebenswichtigste Gut aller durstigen Lebewesen dieser Erde ist!

 


Bildhinweise:

Die Beispielfotos für die einzelnen Tränken sind Einsendungen lieber LeserInnen von www.vonherzen.online und somit deren Privateigentum. Wir bedanken uns für die freundliche Genehmigung zur Verwendung der Fotos für diesen Artikel!

4 Kommentare

  1. Wasser ist ein Lebenselixier für Menschen, Pflanzen und Tiere. Für uns Menschen ist es bei heißem Wetter normal, viel zu trinken, unsere Pflanzen zu gießen und auch unsere Haustiere entsprechend zu versorgen. Dabei wird jedoch oft vergessen, dass auch Wildtiere, und damit auch Kleinlebewesen wie z.B. Insekten in unserer unmittelbaren Umgebung – etwa im eigenen Garten – unter der aktuellen Trockenheit leiden. Daher finde ich es ganz toll, dass Du auf diese Problematik aufmerksam machst! Und gerade im Hinblick auf den Rückgang von Wildbienen ist es sehr wichtig, zur Erhaltung des Lebensraums dieser Tiere neben einheimischen Blumen, Sträuchern, Bäumen und anderen Pflanzen auch Wasserstellen anzubieten!

    1. Hallo Kristin,
      vielen herzlichen Dank für deinen Kommentar! Richtig, in erster Linie denken wir stets zuerst an das, was wir direkt spüren oder sehen: Unseren eigenen Durst, den unserer Haustiere oder eben an unsere Pflanzen im Garten. Viele wild lebenden Tierarten werden dabei leider komplett vergessen. Ich freue mich, dass dir mein Artikel gefällt!
      Liebe Grüße, Kathrin

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