Von süßen Hörnchen

Wer kennt sie nicht, die possierlichen Tierchen mit den Kulleraugen? Die niedlichen Baumbewohner schleichen sich gerade zu dieser Jahreszeit wieder in die Herzen von Jung und Alt. Aber jetzt gibt es erstmal was auf die Nuss!

Lustige Gesellen

Eichhörnchen leben vor allem dort, wo es viele Bäume gibt. Das können zum einen Wälder sein, zum anderen aber auch öffentliche Parks oder heimische Gärten. Das Eichhörnchen kann damit nicht mehr als reines Wildtier bezeichnet werden, sondern zählt zu den sogenannten Kulturfolgern. Durch die durch den Menschen hervorgerufenen landschaftlichen Veränderungen hat sich das Eichhörnchen in Deutschland im Laufe der Jahre auch in Städten angesiedelt und ist nunmehr auch in Parks, auf Friedhöfen oder anderen Grünflächen zu beobachten. In menschlicher Nähe findet das Eichhörnchen nicht nur genügend Unterschlupf, sondern auch ein breites Nahrungsangebot. Dabei ist der Speiseplan der süßen Hörnchen ganz schön herzhaft, denn Eichhörnchen sind Allesfresser und wahrlich keine Kostverächter. Auf ihrem Speiseplan stehen neben Nüssen und Bucheckern auch Insekten, Schnecken oder sogar Vogeleier. Aber natürlich auch den auf manchen Motiven so allseits beliebte Tannenzapfen und diverse Früchte verzehren die Tiere gern.

Damit ist das Eichhörnchen durchaus schon ein kleiner Gourmet und würde auch keine Rosine verschmähen, wenn wir sie ihnen unter die Nase hielten. Da Eichhörnchen keine Winterruhe halten und sowieso die Nähe von menschlichen Behausungen suchen, ist es ein Leichtes, sie zu füttern. Doch wer sich dazu entscheidet, den kleinen Nagern mit Futter unter die Arme zu greifen, der sollte dabei einige Dinge beachten. Geeignetes Futter kann zum Beispiel in Form von Nüssen (Walnüsse, Haselnüsse) und anderen Saaten (Bucheckern, Sonnenblumenkerne) oder auch als Obst (Weintrauben, Rosinen, Äpfel, Birnen) und Gemüse (Möhren, Gurke) zur Verfügung gestellt werden. Dabei sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass das Futter niemals direkt auf dem Boden steht, denn dort kann es nicht nur schnell vergammeln oder Ameisen und ähnliches anlocken, sondern das Eichhörnchen ist dadurch auch seinen Fressfeinden komplett schutzlos ausgeliefert. Besser ist es, das Futter etwas erhöht zu stellen oder es mit einem entsprechenden Futterhäuschen direkt am Baumstamm anzubringen.

Eichhörnchen gelten als lustige Gesellen: Schon Goethe war diesen Tieren durchaus zugetan und der Dichter Christian Friedrich Hebbel besaß 1854 sogar ein eigenes Eichhörnchen namens Lampi.

Aber auch ein Schälchen Wasser sollte auf keinen Fall im Sommer, aber ebenfalls keineswegs im Winter vergessen werden. Wie alle Lebewesen haben auch Eichhörnchen Durst und benötigen stets Zugang zu einer Wasserstelle. Dass das Futterhäuschen sowie die Futter- und die Wasserschüsseln dabei regelmäßig sauber zu halten sind, damit sich keine Krankheitserreger ausbilden können, versteht sich ja eigentlich von selbst! Besonders wichtig ist es, stets darauf zu achten, dass vor allem die Nüsse frei von Schimmel sind. Wer Nüsse im Einzelhandel kauft, der weiß, dass diese oftmals einen langen Transportweg hinter sich haben. Nicht nur für uns Menschen, sondern auch für die Tiere sind Schimmelsporen und ein Pilzbefall von Futter beziehungsweise Lebensmitteln gesundheitsschädlich. Auf exotische Lebensmittel, die sowieso nicht auf dem ursprünglichen Ernährungsplan der Tiere stehen, sollte ebenfalls verzichtet werden. Die Nüsse können den Tieren aber durchaus mit Schale zur Verfügung gestellt werden, da die Tiere aufgrund ihrer ständig nachwachsenden Nagezähne Material benötigen, woran sie sich auslassen können.

Vorwitzige Kobolde

Eichhörnchen finden sich hervorragend in ihrer Umgebung zurecht. Kein Wunder, besitzen sie doch sehr ausgeprägte Sinne. Die tagaktiven Tiere sind wahre Meister, wenn es um die räumliche Wahrnehmung geht, denn diese Fähigkeit benötigen sie dringend, wenn sie im Wald von Baum zu Baum springen. Ihr buschiger Schwanz fungiert dabei ähnlich wie ein Steuerruder, welches das Gleichgewicht der Tiere beim Springen und Klettern ausbalanciert. Des Weiteren ist ihre Anatomie so angelegt, dass sie die Hinterfüße um 180 Grad drehen können, sodass ein sicheres Klettern, vor allem kopfüber, gewährleistet ist. Aber auch die anderen Sinnesorgane der Tiere sind ebenfalls gut ausgeprägt. So können Eichhörnchen vor allem senkrechte Dinge besonders scharf sehen und Entfernungen genau einschätzen, was ihnen natürlich zum sicheren Überleben dient.

Eichhörnchen sind kleine Waldkobolde: Mit ihrer witzigen Art sind sie bei den meisten Menschen äußerst beliebt und erfreuen Waldbesucher sowie Gartenbesitzer gleichermaßen.

Liegt eines dieser putzigen Tiere am Boden oder läuft nicht mehr weg, sobald man sich ihm nähert, ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass das Tier dringend Hilfe braucht! Gleiches gilt für Tiere, die dem Menschen hinterherlaufen oder gar versuchen, am Menschen hochzuklettern! Vor Tollwut braucht man dabei jedoch keine Angst haben, da Deutschland gemeinhin seit 2008 als tollwutfrei gilt. In einem Schreiben vom Robert-Koch-Institut über Aktuelle Daten und Infektionskrankheiten und Public Health heißt es dazu:

“Deutschland gilt nach den Kriterien der Weltorganisation für Tiergesundheit 5 seit Ende September 2008 als „frei von klassischer Tollwut“, da seit dem letzten Nachweis des Tollwutvirus im Februar 2006 bei einem Fuchs im Kreis MainzBingen kein Wildtier mehr in Deutschland mit dem Virus identifiziert wurde. Durch die konsequente orale Immunisierung von Füchsen in Verbindung mit einer freiwilligen Impfung von Haustieren (Hunde, Katzen) konnte der Erreger mittlerweile in vielen europäischen Ländern eliminiert werden.”

Doch wie bei Kontakt mit allen Tieren gilt auch hier, eine besondere Vorsicht walten zu lassen. Sollte das Tier angefasst werden müssen, ist es ratsam, sich feste Handschuhe überzuziehen. Das schützt zum einen die menschliche Haut vor Kratzern und Bissen sowie vor einer Infektionsgefahr wie sie generell bei allen Wunden oder Verletzungen vorliegt. An dieser Stelle könnte man sicher auch einmal überdenken, ob die eigene Tetanus-Impfung noch aktuell ist!? Das möglicherweise verletzte Tier sollte anschließend zum Schutz aller in eine kleine Kiste oder einen kleinen Karton gesetzt werden, der am besten mit etwas Wärmendem wie zum Beispiel kleinen Tüchern, einem Schal oder einer Wollmütze ausgestattet ist, worin man das Tier warmhalten und vor Auskühlung schützen kann.

Danach gilt es zum einen medizinische Hilfe für das Tier zu organisieren oder sich zumindest einen Expertenrat einzuholen. Dazu gibt es neben normalen Tierarztpraxen, die allerdings nicht immer auf besondere Wildtiere eingestellt sind, im Internet spezielle Eichhörnchen-Nothilfen. Diese sind ganz einfach mithilfe einer Suchmaschine wie Google ausfindig zu machen. Oftmals kann dort auch ein erster telefonischer Rat sehr zügig eingeholt werden. Stellt sich die Situation als schwierig oder gegebenenfalls lebensbedrohlich für das Eichhörnchen heraus, sind diese Nothilfen nicht zuletzt auch Anlaufstellen dafür, dass sie die Tiere in ihre Obhut nehmen und fachgerecht weiterversorgen. Die Stelle, an der das Eichhörnchen aufgefunden wurde, sollte noch eine Zeit lang im Auge behalten werden, ob sich womöglich noch weitere (Jung-)Tiere dort in der Nähe aufhalten.

Übrigens: Zu guter Letzt bedeutet einem Eichhörnchen zu helfen, auch etwas Gutes für die Umwelt zu tun. Die flinken Tiere tragen nämlich durch ihr Verhalten dazu bei, dass unser Ökosystem aufrecht erhalten wird, indem sie ihre über den Winter eingegrabenen Samen und Saaten nicht alle verbrauchen, sondern diese im darauffolgenden Frühjahr in Ruhe keimen und Wurzel schlagen können, woraus dann nach einiger Zeit neue Pflanzen und Bäume entstehen!

Von wegen dumme Nuss: Eichhörnchen sind bewiesenermaßen recht kluge Tiere, die sogar alternative Lösungsstrategien wählen, um an ihr Ziel zu gelangen und sogar durch reine Beobachtung lernen.

 


Literaturhinweise:

Robert-Koch-Institut (Hrsg.): Tollwut in Deutschland: Gelöstes Problem oder versteckte Gefahr? Epidemiologisches Bulletin. Ausgabe Nr. 8, erschienen am 28. Februar 2011.

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