Von nachhaltigem Minimalismus

Umweltverschmutzung, Artensterben, Klimawandel – was der Planet Erde in Bezug auf seine Natur und Tierwelt alles aushalten muss, geht schon lange auf keine Kuhhaut mehr! Doch wo beginnt man am besten damit, etwas daran zu ändern? Richtig, bei sich selbst.

Handeln aus Prinzip

Das Prinzip stellt die Grundlage einer jeden Handlung dar, die Menschen aus einer gewissen Überzeugung heraus tätigen. Und wer von einer bestimmten Sache besonders überzeugt ist, der setzt sich in der Regel auch in besonderem Maße dafür ein. Wer ebenfalls auch nur ein bisschen Interesse am Ökosystem dieses Planeten besitzt, dem dürfte nach den ganzen Nachrichten zu den Themen rund um die globale Erderwärmung und die Erschöpfung natürlicher Ressourcen sowie Verschmutzung von Wasser, Luft und Umwelt in Verbindung mit den vom Aussterben bedrohten Tierarten nicht nur klar sein, dass die Ausbeutung der Erde durch den Menschen Grenzen hat, sondern dass das aufhören muss. Doch wo fängt dieses Aufhören eigentlich an?

Umweltbewusstsein in Deutschland

Eine Umfrage des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (kurz BMU) aus dem Jahr 2018 zeigt, dass der Stellenwert von Umwelt- und Klimaschutz in der Bevölkerung im Vergleich zu den Vorjahren deutlich angestiegen ist. Während 2016 mit 53 Prozent schon über die Hälfte aller Befragten die beiden Themenbereiche als relevant einstuften, waren es 2018 schon insgesamt 64 Prozent. Damit steht fest:

“Umwelt- und Klimaschutz zählt für zwei Drittel zu den wichtigsten Problemen.”1

Doch nicht nur das, auch die damit verbundenen Erwartungen, welche die Menschen in Bezug auf den Umwelt- und Klimaschutz an die Politik haben, steigen parallel dazu. So werden hauptsächlich ein Wandel in der Agrarpolitik, aber auch endlich eine Energiewende gefordert. Solch einen ressourcenschonenden Umgang mit Rohstoffen sowie den Umstieg von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien fordern zum Beispiel der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) als auch die jüngste und hauptsächlich von Schüler*innen und Student*innen angestoßene Bewegung Fridays for Future.

Dass sich vor allem junge Menschen für den Umwelt- und Klimaschutz interessieren, ist nicht verwunderlich, geht es doch neben dem Raubbau an diesem Planeten hauptsächlich um ihre Zukunft respektive ihr Überleben und das ihrer Nachfolger auf dieser Erde. Obwohl zahlreiche Wissenschaftler im jüngsten Sonderbericht des Weltklimarats vor den negativen Auswirkungen des Klimawandels aufgrund einer Erderwärmung von 1,5 Grad Celsius warnen,2 wird vermutlich noch viel CO2 ausgestoßen, bis die Politik handelt. Damit steht auch fest, dass solange wenigstens jeder Einzelne von uns seinen Teil dazu beitragen sollte, um die Emissionen zu reduzieren.

Seerosen: Äußerst angepasste Pflanzen und faszinierende Schönheiten auf dem Wasser.

Ökologischer Fußabdruck

An dieser Stelle fragt ihr euch vielleicht: Wie soll das gehen, die Emissionen zu reduzieren? Nun, jeder Mensch, der auf dieser Erde lebt, hinterlässt einen sogenannten ökologischen Fußabdruck. Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein Modell, das die Biokapazität unseres Ökosystems beschreibt, die notwendig ist, um einen bestimmten Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Und jetzt kommt etwas Mathematik ins Spiel, denn die Biokapazität umfasst alles, was die Erde an produktiven Flächen bereitstellt. Dazu gehören alle Böden und Gewässer, die dem Menschen mit ihren jeweiligen Ressourcen zur Verfügung stehen. Demgegenüber steht das, was der Mensch davon nutzt, um seinen Bedarf zu decken. Aber auch das, was der Mensch am Ende als Abfall zurücklässt, wird in den letzten Punkt mit eingerechnet.

Doch es gibt auch einen sogenannten CO2-Fußabdruck, der sich speziell auf die vom Menschen gemachte CO2-Emission bezieht. Unter diese CO2-Bilanz fallen also alle Dinge, bei denen der Mensch direkt oder indirekt an der Entstehung von Treibhausgasen wie Kohlendioxid oder Methan beteiligt ist. Klassische Verursacher für die Entwicklung dieser Emissionen ist vor allem die Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Materialien wie Holz und Kohle beziehungsweise Erdgas oder Öl, die der Gewinnung von Energien wie Strom und Wärme dienen. Sowohl in der Industrie als auch bei der Produktion von Konsumgütern wird jede Menge CO2 verbraucht. Selbst im privaten Bereich finden sich unzählige Beispiele, wie der Mensch sich an CO2-Emissionen beteiligt: Angefangen beim Kaufverhalten über die Freizeitgestaltung bis hin zum Reiseverhalten ist alles dabei.

Erdüberlastungstag

Dass der Verbrauch der Ressourcen sowie die Produktion von Abfall, der wieder der Erde zugeführt wird, mittlerweile in keinem gesunden Verhältnis mehr zum Angebot des Planeten Erde stehen, liegt nachweislich auf der Hand. Ein effizienter und nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen und nicht nachwachsenden Rohstoffen ist dabei essenziell für die Zukunft aller auf diesem Erdball lebenden Menschen. Hinzu kommt das steigende Missverhältnis von einer stetig wachsenden Weltbevölkerung und immer knapper werdenden Ressourcen. Die Vereinten Nationen erwarten bis zum Jahr 2050 ein Bevölkerungswachstum von derzeit fast 8 Milliarden Menschen auf 10 Milliarden Menschen und bis Ende dieses Jahrhunderts plus eine weitere Milliarde Menschen.3 Wovon sich die Weltbevölkerung dann noch ernähren möchte, ist fast schon fraglich, denkt man bloß einmal an den sogenannten Erdüberlastungstag.

Als Erdüberlastungstag, auch Earth Overshoot Day genannt, wird stets der Tag eines Jahres bezeichnet, an dem die von der Natur selbst innerhalb eines Jahres erneuerbaren Ressourcen für das jeweilige Jahr schon aufgebraucht sind. Im Klartext heißt das: Die Bevölkerung lebt ab diesem Tag für den Rest des Jahres auf Pump. Ein Blick auf die Auswertungen der Ergebnisse der Organisation Gobal Footprint Network in Zusammenarbeit mit weiteren Stellen zeigt, dass sich dieser Erdüberlastungsstag in den letzten 50 Jahren kontinuierlich nach vorne verlagert.4 Mittlerweile hat sich das Datum, an dem das Budget für die Ressourcen aufgebraucht sind, von Ende Dezember auf den 29. Juli für das Jahr 2019 verlagert. Deutlicher wird das ganze Ausmaß vielleicht eher an der Metapher einer Vorratskammer, bei der schon im Sommer aller Inhalt verbraucht ist und die bis Ende des Jahres auch nicht wieder aufgefüllt wird.

Jungfer im Grünen: Symbol für eine verschmähte Liebe und beliebte Bauerngartenblume.

Nachhaltigkeit

Da wir leider keine zweite Vorratskammer, sprich eine weitere Erde, besitzen, ist die logische Konsequenz daraus, den Konsum und Verbrauch von Ressourcen zu halbieren. Gleichfalls muss die Produktion von Kohlendioxid sowie anderen Umweltbelastungen reduziert werden. Das bedeutet, ein nachhaltiges Konsumverhalten an den Tag zu legen, das ressourcenschonend und energieffizient ist und folgendermaßen aussieht:

  • auf umweltfreundliche Produkte zu achten, die ohne umweltbelastende Inhaltsstoffe wie Mineralöle, Parabene und Formaldehyd (Konservierungsstoffe), Phthalate (Weichmacher), Silikone, Mikroplastik und Emulgatoren wie PEG auskommen
  • fair gehandelte und regionale Produkte zu kaufen, die sich durch menschenwürdige Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern und nachhaltige Landwirtschaft in Deutschland auszeichnen
  • auf recyclebare Artikel zu setzen, um unnötige Wegwerfartikel und Verpackungen – ganz besonders Plastik – zu vermeiden beziehungsweise die Abfall- und Müllproduktion zu verringern
  • falls möglich, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen oder auf ein Fahrrad umzusteigen sowie sich doppelte Wege mit dem Auto zu sparen durch eine vorausschauende Planung
  • auf energiesparende Produkte umzusteigen, um Strom und Elektrizität zu sparen als auch klimaneutral zu heizen, zu waschen oder zu kochen

Übrigens:

Dieser Artikel ist Teil der Blogparade “Ich möchte nachhaltiger leben, wo fange ich an?”. und wird vom Blog The bird’s new nest veranstaltet.

Neben den in diesem Artikel vorgestellten Punkten gibt es noch unzählige weitere Beispiele, was man für ein nachhaltiges Leben tun kann.

Wenn ihr wissen wollt, wie es sich am besten nachhaltig lebt, dann schaut doch auch einmal bei den anderen Blogs vorbei. (Liste folgt!)

Minimalismus

Am Ende bedeutet ein solcher nachhaltiger Konsum nicht zuletzt auch den Verzicht auf das, was Wirtschaftsinteressen uns gern als zwingend notwendig verkaufen. Wer wirklich nachhaltig leben möchte, der kauft so ökologisch und sozialverträglich wie möglich ein und lässt sich nicht von einer Überflussgesellschaft zum Kauf und Verbrauch von Dingen verleiten, die mit der Umwelt und der Natur nicht in Einklang zu bringen sind. Natürlich mag es dem einen leichter und dem anderen schwerer fallen, seine Komfortzone zu verlassen und sich endlich dazu zu bequemen, sich für Inhaltsstoffe, Herstellungsprozesse und Transportwege zu interessieren. Doch wer es schafft, einen Anknüpfungspunkt zu finden, der wird schnell feststellen, dass man viele Dinge zum Leben einfach nicht braucht – zumindest nicht, was landläufig unter kommerziellen Dingen zu verstehen ist.

Minimalismus geht damit auch immer mit einer starken Kritik am Materialismus einher. Besitztümer werden lediglich als überzogene Statussymbole angesehen und ein übermäßiger Konsum, der über das Lebensnotwendige hinausgeht, wird als Hinderungsgrund für eine Konzentration auf das Wesentliche betrachtet. In Anbetracht von Klimawandel, Erderwärmung und Co. wird es allerdings höchste Zeit, sein Konsumverhalten zu ändern und sich noch mehr als sonst auf den Umweltschutz zu konzentrieren und sich um den Erhalt dieser Erde zu kümmern. Zu guter Letzt: Wenn wir doch einfach ganz ehrlich sind, dann haben alle Menschen (und natürlich auch andere Lebewesen) dieser Erde das Recht auf eine reine Luft und sauberes Wasser, aber kein Mensch hat ein Recht auf Plastik!

Erdbeere: War schon in der Steinzeit als essbare Frucht bekannt und steht oft für die Sünde.


Quellen:

1 Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (Hrsg.): Umweltbewusstsein in Deutschland 2018. Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage. Stand Mai 2019, Seite 17.

2 Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle in Zusammenarbeit mit Umweltbundesamt GmbH und SCNAT (allesamt HRsg.): IPCC-Sonderbericht über 1,5 °C globale Erwärmung. Version vom 27.03.2019, Seite 2.

3 United Nations, Department of Economic and Social Affairs (Hrsg.): World Population Prospects 2019. Highlights. Stand 2019, Seite 5.

4 https://www.overshootday.org/newsroom/past-earth-overshoot-days, abgerufen und aktualisiert am 13.10.2019.

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