Von echter Flower Power

Unser Magazin hat den Keukenhof in den Niederlanden besucht. Beeindruckt von einem Meer aus Blumen geht es heute um richtig viel Flower Power! Seid ihr dabei?

Der Keukenhof

Die 32 Hektar große Parkanlage liegt in der südholländischen Provinz, genauer gesagt direkt hinter den Dünen, gerade mal knappe 10 Kilometer von der Nordsee entfernt. Allgemein gehört das Landgut, auf dem sich die Parkanlage befindet, zur holländischen Gemeinde Lisse, aber im Grunde gehört der Keukenhof genauso zu ganz Holland wie der Käse und die Windmühlen. Und woher der Name Keukenhof stammt, kommt nicht von ungefähr. Ursprünglich gehörte im 15. Jahrhundert das 240 Hektar große Gelände inklusive Schloss und eben besagter Parkanlage der Gräfin Jacoba von Bayern. Diese hegte und pflegte neben der Schlossküche ihren Kräutergarten, in dem sie allerlei Gartenkräuter für die feinen Speisen züchtete. Somit bedeutet “Keukenhof” also nichts anderes als “Küchengarten” und erhielt auf diese Weise seinen Namen.

Der Keukenhof lockt mit seiner Blüten- und Farbenpracht jährlich bis zu eine Million Besucher, wovon allein über die Hälfte aus dem Ausland kommen. In Scharen reisen die Menschen von überallher mit Bussen an, nur um in den Genuss von diesem Blumenmeer zu kommen. Das befürchtete Bad in der Menge bleibt allerdings aus, sobald man die Eingangspforte passiert hat. Plötzlich verlieren sich die Menschen in alle Himmelsrichtungen und wir können uns dem Wesentlichen widmen: Der schier unendlichen Flower Power, die uns hier mit voller Wucht ins Auge trifft. Wir sehen Tulpen, aber auch andere Blumen wie Hyazinthen und Narzissen, so weit das Auge reicht. Insgesamt 7 Millionen unterschiedliche Blumenzwiebeln pflanzen die 40 Gärtner des Keukenhofs vor dem Saisonstart in die Erde und verwandeln damit die gesamte Parkanlage in ein einziges großartiges Naturparadies.

Die Parkanlage hat nur 8 Wochen im Jahr für Besucher geöffnet!

Flower Power

Der Name ist hier tatsächlich Programm. Nicht nur in Anbetracht der Menge an Blumen, die auf dem gesamten Areal erblühen, sondern auch das diesjährige Motto steht tatsächlich ganz im Zeichen der Kraft der Blumen. Unter dem Themenschwerpunkt “Flower Power” gibt es im Jahr 2019 verschiedene Inspirationsgärten zu sehen, die sich in ihrer Gestaltung alle der Atmosphäre der 70er Jahre widmen. In Anlehnung an die Hippie-Zeit inklusive Love & Peace, nur ohne Rock ‘n’ Roll, stehen sie da, die unzähligen Blumenkinder, und möchten still bewundert werden. Die Gehwege, die sich in sanften Kurven durch die Parkanlage bahnen, laden ein zum Spazierengehen und zum Staunen. Doch zum Entspannen und zum Träumen müsste man sich glatt auf die Wiesen unter den Bäumen legen und die Augen schließen.

Dazu bleibt allerdings leider kaum Zeit, denn passend zum Motto der 70er Jahre feiert der Keukenhof im Jahr 2019 seinen 70. Geburtstag. Das muss natürlich gebührend gefeiert werden. So findet in jedem Jahr ein Blumenkorso statt, bei dem ungefähr 50 buntgeschmückte Wagen auf einer 40 Kilometer langen Strecke mit zahlreichen Zuschauern das Ereignis feiern. Wesentlich leiser ist es da schon in den Innenausstellungen, die der Keukenhof zu bieten hat. Hier zeigen niederländische Blumenzüchter nicht nur ihre schönsten Blumen, sondern diese auch noch von ihrer besten Seite. Noch ruhiger ist es wohl auf einem der Flüsterboote, die über die schmalen Kanäle mitten durch die Blumenfelder außerhalb des Keukenhofs tuckern.

Ein Blumenfeld ist wie ein Meer für die Sinne!

Die Tulpe

Im Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit steht auf dem Keukenhof natürlich die Tulpe. Weltweit gilt sie als klares Erkennungssymbol für die Niederlande. Doch historisch betrachtet ist die Tulpe gar keine waschechte Holländerin, sondern kommt ursprünglich aus dem Orient. Dort wird sie schon seit Jahrhunderten kultiviert und erhielt ihren Namen aufgrund ihrer Form, die an eine aus Tüchern gewickelte Kopfbedeckung erinnert. So leitet sich aus dem türkischen Wort “tuliband” oder “tülbent”, was übersetzt “Turban” heißt, die heutige Bezeichnung der Pflanze als Tulpe ab. Bleibt nur noch die Frage offen, wie die Tulpe überhaupt ihren Weg nach Holland gefunden hat?

Im Zuge des weltweit florierenden Handels fielen im Jahr 1592 einem holländischen Botaniker namens Carolus Clusius Tulpen in die Hände. Dieser brachte von einer seiner Reisen in den Orient also die neu entdeckte Pflanzenart mit nach Holland, wo sich schon bald eine ganze Tulpenmanie entwickelte. Die Tulpe wurde durch die Bank weg zum Wertgegenstand erklärt, für den auf Tauschbörsen hohe Summen an Gulden bezahlt wurden. Damit hatte die Tulpe in den Niederlanden endgültig der Status des Liebhaberobjekts erlangt und etablierte sich im Laufe der Zeit quasi von ganz allein als unverwechselbares Markenzeichen von Holland. Noch heute blühen im historischen Garten vom Keukenhof ursprüngliche Tulpenarten aus dem 16. Jahrhundert.

Dank je wel voor jullie tijd en tot ziens!


Bildhinweise:

Wir bedanken uns herzlich beim Keukenhof, Stationsweg 166A, 2161 AM Lisse, für die freundliche Genehmigung zur Verwendung der bereitgestellten fotografischen Aufnahmen für diesen Artikel!

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