Von Bienen in Not

Ein Thema, das mittlerweile viele Gemüter bewegt, handelt von Bienen in Not. Doch ist der ganze Hype um das angebliche Bienensterben tatsächlich gerechtfertigt? Ich habe dazu mal einen Artikel verfasst, aber lest selbst!

Was ist dran am Bienensterben?

Dass Bienen für unser Ökosystem unverzichtbar sind, weiß seit Albert Einstein eigentlich jeder. Dieser soll seiner Zeit schon auf den ökologischen Zusammenhang zwischen der Pflanzenwelt, den Bienen und ihre Funktion als Blütenbestäuber hingewiesen haben, indem er sagte:

“Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.”

Nun, die Krux an diesem Satz ist, dass Albert Einstein das so niemals gesagt hat. Unbestritten im Gegensatz zu Albert Einsteins Äußerung ist allerdings, dass Bienen zum Bestäuben von Pflanzen unverzichtbar sind. Doch ist die Lage für die Bienen tatsächlich so kritisch, dass eine Hysterie unvermeidlich erscheint?

Bienenmonitoring als Ursachenforschung

Um diesen Fragen weiter auf den Grund zu gehen, wurde im Jahr 2004 das sogenannte Deutsche Bienenmonitoring ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um ein gemeinsames Projekt von Vertretern aus der Landwirtschaft, der chemischen Industrie und Imkern zur Klärung der Ursachen des Bienensterbens. Im Mittelpunkt stehen dabei folgende Fragen:

  1. Welche Rolle spielen Umwelteinflüsse wie das Klima oder die Höhenlage?
  2. Welche Rolle spielen Krankheitsursachen wie zum Beispiel die Varroa-Milbe?
  3. Welche Rolle spielen Insektizide beziehungsweise Pflanzenschutzmittel?
  4. Welche Rolle spielt die imkerliche Tätigkeit?

Ergebnisse des Projekts

Die Ergebnisse sind abzurufen auf der eigens für das Projekt eingerichteten Webseite der Universität Hohenheim. Der erste Bericht nach dem ersten Untersuchungsjahr beinhaltet noch keine besonders aussagekräftigen Erkenntnisse, da eine Beurteilung der oben genannten Punkte nach so kurzer Zeit wenig sinnvoll ist. Betrachtet man die Berichte der nachfolgenden 12 Untersuchungsjahre im Vergleich und den vorläufigen Abschlussbericht im Besonderen, ergeben sich folgende Antworten:

  1. Zu den diversen Umwelteinflüssen wie beispielsweise klimatischen Bedingungen kann keine abschließende Aussage getätigt werden
  2. Krankheitsursachen, die durch Schädlinge und Parasiten hervorgerufen werden, sind von großer Bedeutung für das Bienensterben
  3. Hinsichtlich des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln und Insektiziden in der Landwirtschaft ist die angebliche Belastung für die Bienenvölker als gering einzustufen (Der Bericht spricht von einem Nachweis von Wirkstoffen im Spurenbereich)
  4. Die Imkerei konzentriert sich neben der grundsätzlichen Bewirtschaftung der Bienenvölker hauptsächlich auf die Seuchenbekämpfung (Der Bericht deklariert, weitere Bekämpfungsmittel befinden sich im Zulassungsverfahren)

So weit, so gut. Doch ist das schon alles und noch lange nicht so dramatisch wie stets behauptet? Lässt sich das viel prophezeite Bienensterben damit vielleicht ganz einfach komplett relativieren und können wir uns nun endlich beruhigt zurücklehnen und die Imker und Landwirte einfach weitermachen lassen wie bisher? Die Antwort lautet: Nein.

Kritik am Bienenmonitoring

Berechtigte Kritik an den Ergebnissen und am gesamten Projekt kommt vor allem von Naturschutzverbänden und unabhängigen Wissenschaftlern. Die Hauptkritikpunkte konzentrieren sich dabei im Wesentlichen auf Folgendes:

  1. Die einzelnen Vertreter des Projekts stammen zur Hälfte aus der chemischen Industrie, allen voran die Bayer AG als Global Player und jüngst Übernehmer des US-Saatgutkonzerns und Herbizid-Herstellers Monsanto, der zuletzt für sein Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat in der Kritik stand
  2. Als Hauptursache für das Bienensterben wird sich zu sehr auf die Varroa-Milbe konzentriert, andere mögliche Ursachen werden nur unzureichend betrachtet
  3. Die Auswirkungen von in der Landwirtschaft eingesetzten Pflanzenschutzmitteln findet in den Untersuchungen nahezu kaum Beachtung

Neben diesen werden noch weitere Aspekte wie die statistischen Methoden, die Auswahl der am Projekt teilnehmenden Imker und die Auswahl der Untersuchungsgebiete kritisiert. Damit stellt sich in der Tat die Frage, inwieweit das Bienenmonitoring in dieser Form überhaupt als Grundlage für eine Ursachenforschung des Bienensterbens ernstzunehmen ist.

Sind die Bienen noch zu retten?

Da beim Deutschen Bienenmonitoring nicht von einer unabhängigen und in deutlicher Weise kennzeichnenden Ursachenforschung hinsichtlich des Bienensterbens gesprochen werden kann, sind nun unabhängige Forschungsinstitute in der Pflicht, ihre Arbeit aufnehmen.

Doch diese zu finden, ist kein leichtes Unterfangen. Denn viele dieser Institutionen, die vermeintlich den Auftrag haben, die Ursachen des Bienensterbens ausfindig zu machen und Lösungsansätze zu generieren, leben nur allzu gut von der gegenwärtigen Hysterie um die Bienen und ihre Not.

Bei meinen Recherchen im Internet bin ich auf diverse Projekte zur Rettung der Bienen gestoßen. Gemeinsamer Grundtenor war stets, dass sozusagen ein Zurück zur Natur gefordert wird und sich dieser Appell auch an jeden Einzelnen von uns richtet.

Zurück zur Natur mit biologischer Vielfalt

Nichts ist unnatürlicher als eine Monokultur, sei es in der Landwirtschaft oder auch im heimischen Garten. Als ob der weitreichende Anteil der Landwirtschaft daran immer noch nicht genügen würde, begegnet man immer öfter auch offensichtlich pflegeleicht angelegten Vorgärten mit eintönigen Rasenflächen oder betongrauen Steinbeeten. Von Natur keine Spur trifft da ganz prägnant den Kern der Sache.

Nicht nur, dass den Bienen damit ihr Lebensraum und ihre Nahrungsgrundlage entzogen wird, auch ein Großteil unserer Nahrungsmittelpflanzen ist von der Bestäubung durch Bienen und anderer Insekten wie zum Beispiel Hummeln abhängig. Genauso übrigens auch viele andere Tierarten, allen voran die Vogelwelt, die sich ebenfalls von etlichen Samen- und Beerensorten ernährt. Womit an dieser Stelle der eingangs zitierte Satz von Albert Einstein, den er so nie gesagt hat, schon quasi belegt ist. Quod erat demonstrandum!

Bienen in Not richtig helfen

Jetzt stellt sich zum Schluss noch die Frage, wie denn nun richtige Hilfe für Bienen konkret aussieht? Erste und unabdingbare Maßnahme zur Rettung der Bienen ist, bienenfreundliche Blumen zu pflanzen. Im Internet wird man sehr schnell fündig, was sich da am besten für den heimischen Garten oder auch für den Balkon eignet. Aber Achtung: Nicht alles, was auf der Packung draufsteht, ist auch drin!

Viele handelsübliche Saatmischungen versprechen eine bunte Blumenvielfalt, werden dabei den Bedürfnissen der Bienen aber keinesfalls gerecht. Selbst etablierte Markenhersteller sind keine Garantie für qualitatives Saatgut! Im Gegenteil, es ist sogar eher erschreckend, was sich bei genauerer Recherche im Internet für Zusammenhänge zwischen Saatgutherstellern und Pflanzenschutzmittelherstellern für Seiten auftun.

Zweite und ebenso wichtige Maßnahme zur Rettung der Bienen ist, von Frühling bis Herbst für ein ausreichendes Nahrungsangebot zu sorgen. Und drittens ist es wichtig, neben der allgemein bekannten Honigbiene die Wildbienen und Hummeln nicht zu vergessen. Wildbienen und Hummeln benötigen nämlich im Gegensatz zu den von Imkern gehaltenen Honigbienen zusätzlich zum Nahrungsangebot auch geeignete Nistplätze und Baumaterial. Auch dazu finden sich im Internet viele gute Hinweise, worauf beim Bau eines sogenannten Insektenhotels auf jeden Fall geachtet werden muss.

Wenn wir nicht wollen, dass Bienen und auch andere Insekten aussterben, sind wir dazu verpflichtet, uns für sie einzusetzen!

 


Literaturhinweise:

Florian Freistetter: Albert Einstein, das Sterben der Bienen und das ominöse Zitat. Erschienen am 21. Juni 2015 auf dem Wissenschaftsblog www.scienceblogs.de

If the bee disappeared of the face of the earth, man would only have four years left to live. Erschienen am 27. August 2013 auf dem englischsprachigen Portal www.quoteinvestigator.com

Veröffentlichungen, Berichte und Ergebnisse des Projekts Deutsches Bienenmonitoring, kurz DeBiMo abzurufen auf dem dazugehörigen Internetportal der Universität Hohenheim

5 Kommentare

  1. Hallo Kathrin, meine Kleine hat seit dem Stich einer Wespe auch Angst vor Bienen, obwohl die ja den leckeren Honig machen und den vielen bunten Blumen helfen. Dennoch haben wir neulich zusammen eine erschöpfte Biene aufgepäppelt und somit gerettet, und mein Kind hat gestrahlt. Auch wird jetzt beim Klee auf dem Rasen immer schön aufgepasst, dass man keine Biene platt tritt und die dann sticht!
    Toller Artikel, der zeigt mal wieder, wie wichtig die kleinsten Dinge im Leben für die großen Zusammenhänge sind. Ohne Bienen gibt es irgendwann keine Nahrung mehr und der Mensch schaut über die betongepflasterte Wüste der Stadt.

    1. Hallo Heike,
      dankeschön für deinen Kommentar! Ja, Angst vor Wespen habe ich auch, aber selbst die sind nützlich. Bienen sind ja eigentlich sehr friedlich und wirklich tolle Beobachtungstiere. Schön, dass ihr so sorgsam mit diesen wertvollen Lebewesen umgeht und euch so lieb darum kümmert!
      Liebe Grüße, Kathrin

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